7. Oktober 2019

Brexit: Worauf muss sich die Immobilienbranche einstellen?

In Sachen Brexit sind weiterhin mehr Fragen offen als geklärt. Wie geht es weiter und worauf muss sich die Immobilien – Branche einstellen?

Der nächste Countdown zum geplanten EU-Ausstieg des Vereinigten Königreichs verspricht nicht minder spannend zu werden als die vorherigen: Sowohl die britische Regierung als auch die Europäische Union formieren sich gerade neu.

Das britische Parlament ist immer noch tief gespalten bezüglich seiner Vorstellungen zum Brexit. Boris Johnson wollte am 31. Oktober auf jeden Fall aus der Europäische Union austreten, notfalls auch ohne einen Deal. Angesichts der von außen betrachtet byzantinischen Komplexität der Entscheidungsabläufe innerhalb der (ungeschriebenen) britischen Verfassung erscheint aber immer noch alles möglich.

Eigentlich wäre vor dem Hintergrund der unverändert harten Fronten im britischen Parlament und dem strikten Brexit-Kurs des Premierministers das wahrscheinlichste Szenario eine weitere lange und flexible Verschiebung des Brexit-Termins mit der Option, die EU auch vor dem neuen Austrittsdatum zu verlassen. Solch einer Verschiebung dürfte die EU wegen eines angemessenen Grundes wie Neuwahlen und/oder ein zweites Referendum durchaus zustimmen.

Brexit: Die andauernde Unsicherheit bremst das britische Wirtschaftswachstum

Doch längst ist der Punkt überschritten, an dem noch erfolgversprechende Vorhersagen getroffen werden können. Das Wirtschaftswachstum in Großbritannien leidet immer stärker unter den Unsicherheiten. Während 2014 und 2015 noch Wachstumsraten von 2,9 Prozent beziehungsweise 2,3 Prozent verzeichnet wurden, fielen die beiden Folgejahre mit jeweils 1,8 Prozent und 2018 mit 1,4 Prozent spürbar schwächer aus. Die Stimmungsindikatoren spiegeln mittlerweile deutlich die belastenden Folgen der lang anhaltenden Brexit-Unsicherheit wider. Im zweiten Quartal 2019 hat sich das britische Wirtschaftswachstum deutlich verlangsamt, gegenüber dem Vorquartal kam es zu einem Rückgang von 0,2 Prozent.

Die Bank of England (BoE) warnt unentwegt vor den Folgen eines chaotischen No-Deal-Brexits, auch wenn mittlerweile Notfallmaßnahmen seitens der EU und des Vereinigten Königreichs ihn temporär abmildern würden. In diesem Szenario wäre die BoE bereit, den Leitzins je nach vorherrschenden Entwicklungen in beide Richtungen anzupassen. In ihrem Hauptszenario unterstellt sie aber weiterhin einen geordneten Brexit und stellt in den nächsten drei Jahren moderate Erhöhungen ihres Leitzinses (derzeit bei 0,75 Prozent) in Aussicht.

Britischer Immobilienmarkt bleibt trotz Brexit relativ stabil

Der britische Immobilienmarkt erweist sich angesichts der anhaltenden Unsicherheit als unerwartet robust. Der Londoner Büromarkt steht aufgrund seiner engen Verflechtungen zur EU, insbesondere im Finanzsektor, unter besonderer Beobachtung. Die Nachfrage nach Büroflächen erhöhte sich 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 9 Prozent. Im ersten Halbjahr 2019 blieb der Flächenumsatz nur leicht unter dem Vorjahresniveau. Finanzdienstleister spielen zwar immer noch eine wichtige Rolle am Mietmarkt, die Nachfrage kommt jedoch zunehmend auch von anderen Branchen, zum Beispiel aus dem Bereich Technologie, Medien, Telekommunikation. Besonders aktiv am Markt sind außerdem Anbieter von Flexible Office Space. Der Leerstand in Central London hat sich um die Marke von 7 Prozent eingependelt. Das Neubauvolumen dürfte im laufenden Jahr höher ausfallen als 2018 und auch in den Folgejahren den Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre übertreffen, wodurch vor allem in der City der Leerstand steigen dürfte.

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